Wer feministische Positionen vertritt, wird früher oder später mit Argumenten von Anti-Feministen und Anti-Feministinnen konfrontiert. Die Einlassungen, die sich gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter richten, folgen einem Muster. Die am häufigsten gemachten Aussagen sind hier aufgeführt.
Hintergrund: Im Oktober 2017 hat Brigitte Zypries als erste Bundeswirtschaftsministerin ein Manifest für „Frauen in der Wirtschaft“ präsentiert. Das Manifest unterstreicht die Bedeutung der Frauen in der Wirtschaft und dringt auf mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft. Das Manifest wurde in traditionellen und sozialen Medien kommuniziert. Die kritischen Kommentierungen und Einwände lassen sich wie folgt gruppieren:
- Diskreditierung des Anliegens – Es wird die Frage gestellt: Wenn Frauen gleich berechtigt sein wollen, es also keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern geben soll, wieso reduzieren sich die Frauen dann in dieser Diskussion auf ihr Geschlecht?
- Ausspielen der Geschlechter gegeneinander – Die Annahme lautet: Wo Frauen gefördert werden sollen, müssen zwangsweise Männer zurückstecken.
- Herabsetzung der Motivation von Frauen – Es wird behauptet, dass die meisten Frauen doch gar nicht nach vorn kommen wollen und sich gern auf den ihnen zugewiesenen Platz zurückziehen.
- Herabsetzung der Fähigkeiten von Frauen – Es wird behauptet, dass Frauen wichtige Fähigkeiten fehlen, um gleichberechtigt zu werden.
- Die ewig Gestrigen – Warum soll sich denn etwas ändern? Lief doch gut soweit.
- Der Untergang des Abendlandes – Von der traditionellen Rollenverteilung hängt die Familie, das Kinderkriegen, ja sogar das ganze Abendland ab.
- Zahlen als Zement für den Status Quo – Ihr wollt es wirtschaftlich betrachten? Na dann bitteschön. Hier sind ein paar Zahlen dazu.
- Diskreditierung des Absenders – Hier geht es vor allem um die Frage, mit welchem Recht sich jemand mit einem feministischen Thema befasst.
Diskreditierung des Anliegens
Kritiker dieser Fraktion meinen, das Anliegen sei nicht gerechtfertigt und konterkariert sich.
Die Forderung nach der Förderung von Frauen sei sogar sexistisch:
„Institutionalisierter Sexismus“
Es handele sich um ein substanzloses Anliegen:
Ausspielen der Geschlechter gegeneinander
Wenn es darum geht, eine gleichberechtigte Teilhabe der Frauen an der Wirtschaft zu ermöglichen und ihren Anteil an der Wertschöpfung des Landes sichtbar zu machen, dann scheinen wir über Stühle zu reden, deren Anzahl wie bei Tortenstücken begrenzt ist. Will man also Frauen besonders fördern, dann müssen einige Männer zurückstehen und letztere würden zwangsweise diskriminiert.
Frauenförderung würde Frauen privilegieren. (red. Anm.: Ein „Pri·vi·le̱g – Substantiv [das]“ ist ein für einen Einzelnen oder eine Gruppe geltendes, besonderes Recht, von dem andere ausgeschlossen bleiben.) Frauenförderung sei also per se ungerecht.
„Es läuft auch ohne Männer in der Wirtschaft nichts, werden diese auch privilegiert?“
Frauenförderung schränke die Wahlfreiheit der Frauen ein:
Wenn also Frauen gefördert werden sollen, dann brauchen wir aber auch mehr Förderung von Männern in Frauendomänen!
Und ganz ähnlich. Wenn mehr Frauen in Führungspositionen kommen sollen, dann braucht es auch eine Frauenquote für Müllmänner.
„290.000 Müllmänner aber nur 500 Frauen. Wo bleibt die Quote?“
Herabsetzung der Motivation von Frauen
In Diskussionen zu feministischen Themen schwingt immer wieder mit, Frauen seien halt nicht so ehrgeizig wie Männer. Frauen hätten keinen Machtanspruch /
Frauen wollen nicht führen und ordnen sich lieber unter.
Ein Blogger widmet diesem Thema sogar einen ganzen Beitrag und stellt dar, wie er heroisch unter schwersten Bedingungen einen Job ergattert hat.
Herabsetzung der Fähigkeiten von Frauen
Geht es um die Frage, warum Mädchen wohl gut ausgebildet sind aber dennoch selten technische Berufe ergreifen, wird häufig angeführt, dass Frauen es eben nicht so mit der Logik haben. Mädels interessierten sich eben nicht für MINT:
Wenn es Frauen bis jetzt noch nicht geschafft hätten, dann als Folge mangelnder Fähigkeiten. Der Wunsch nach Frauenförderung sei:
Nicht selten kommen diese Vorwürfe aus den eigenen Reihen der Frauen – von Vertreterinnen, die es „geschafft haben“:
Vor allem die Quotenfrage scheint erfolgreiche Frauen zu beleidigen:
Die ewig Gestrigen
Eine Gruppe der Kritiker scheint sich gegen Veränderungen jeglicher Art zu wenden. Wenn es nach ihnen singe, sollte alles so bleiben, wie es ist:
„Never change a running system“ würde ich sagen. 😉“
„Vielleicht läuft gerade wegen des geringem Anteils unsere Wirtschaft so gut. ;)“
Der Untergang des Abendlandes
Bei der Förderung von Frauen in der Wirtschaft fürchten manche, dass den Frauen damit etwas von ihrer devoten, kompetenten Weiblichkeit genommen wird:
Noch schlimmer, das Ganze hätte gesellschaftliche Konsequenzen:
Sogar der Fortbestand der Menschheit wäre in Gefahr:
„Und wer kriegt dann die Kinder?“
Zahlen als Zement für den Status Quo
Wer Frauenförderung wirtschaftlich betrachten will, muss sich darauf gefasst machen, dass ihm auch Zahlen entgegen geworfen werden.
Es wird angeführt, wirtschaftlich gesehen ginge es auch ohne Frauen. Der bisherige Erfolg der Männer gibt ihnen anscheinend sogar Recht:
Die Wirtschaft selbst sei ein Beleg dafür, dass es Gleichberechtigung nicht braucht, dass Frauen sogar von geringerem Wert seien:
Der gesellschaftliche Nutzen von Bildung für Männer sei ungleich höher als der von Frauen
Studien belegen zwar, dass der Erfolg von Firmen im Zusammenhang mit Frauen in Führungspositionen in diesen Firmen steht. Jedoch keine Studie ohne Gegenstudie:
„Firmen, die von Frauen geführt werden, laufen im Schnitt schlechter.“
Diskreditierung des Absenders
Nicht zuletzt wird die Frage gestellt, mit welchem Recht sich das Bundeswirtschaftsministerium mit einem feministischen Thema befasst:
„Ist es nicht eher die Aufgabe des Familienministeriums Männer auszuschließen?“
Dies ist ein buntes, aber sicher nicht abschließendes Spektrum an Argumenten gegen die Förderung von Frauen bis zur Gleichberechtigung.
Welche Argumente fehlen aus eurer Sicht noch in dieser Sammlung?







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