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Argumente von Anti-Feministen

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Wer feministische Positionen vertritt, wird früher oder später mit Argumenten von Anti-Feministen und Anti-Feministinnen konfrontiert. Die Einlassungen, die sich gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter richten, folgen einem Muster. Die am häufigsten gemachten Aussagen sind hier aufgeführt.

Hintergrund: Im Oktober 2017 hat Brigitte Zypries als erste Bundeswirtschaftsministerin ein Manifest für „Frauen in der Wirtschaft“ präsentiert. Das Manifest unterstreicht die Bedeutung der Frauen in der Wirtschaft und dringt auf mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft. Das Manifest wurde in traditionellen und sozialen Medien kommuniziert. Die kritischen Kommentierungen und Einwände lassen sich wie folgt gruppieren:

  1. Diskreditierung des Anliegens – Es wird die Frage gestellt: Wenn Frauen gleich berechtigt sein wollen, es also keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern geben soll, wieso reduzieren sich die Frauen dann in dieser Diskussion auf ihr Geschlecht?
  2. Ausspielen der Geschlechter gegeneinander – Die Annahme lautet: Wo Frauen gefördert werden sollen, müssen zwangsweise Männer zurückstecken.
  3. Herabsetzung der Motivation von Frauen – Es wird behauptet, dass die meisten Frauen doch gar nicht nach vorn kommen wollen und sich gern auf den ihnen zugewiesenen Platz zurückziehen.
  4. Herabsetzung der Fähigkeiten von Frauen – Es wird behauptet, dass Frauen wichtige Fähigkeiten fehlen, um gleichberechtigt zu werden.
  5. Die ewig Gestrigen – Warum soll sich denn etwas ändern? Lief doch gut soweit.
  6. Der Untergang des Abendlandes – Von der traditionellen Rollenverteilung hängt die Familie, das Kinderkriegen, ja sogar das ganze Abendland ab.
  7. Zahlen als Zement für den Status Quo – Ihr wollt es wirtschaftlich betrachten? Na dann bitteschön. Hier sind ein paar Zahlen dazu.
  8. Diskreditierung des Absenders – Hier geht es vor allem um die Frage, mit welchem Recht sich jemand mit einem feministischen Thema befasst.

Diskreditierung des Anliegens

Kritiker dieser Fraktion meinen, das Anliegen sei nicht gerechtfertigt und konterkariert sich.

„Eine bewusste Förderung aufgrund des Geschlechts setzt genau eine Reduzierung auf das Geschlecht voraus.“

Die Forderung nach der Förderung von Frauen sei sogar sexistisch:

„Institutionalisierter Sexismus“

Es handele sich um ein substanzloses Anliegen:

„Wenn Frauen gut sind, braucht man sie nicht extra fördern. Sind sie‘s nicht, ist das schlecht für die Wirtschaft.“

Ausspielen der Geschlechter gegeneinander

Wenn es darum geht, eine gleichberechtigte Teilhabe der Frauen an der Wirtschaft zu ermöglichen und ihren Anteil an der Wertschöpfung des Landes sichtbar zu machen, dann scheinen wir über Stühle zu reden, deren Anzahl wie bei Tortenstücken begrenzt ist. Will man also Frauen besonders fördern, dann müssen einige Männer zurückstehen und letztere würden zwangsweise diskriminiert.

Frauenförderung würde Frauen privilegieren. (red. Anm.: Ein „Pri·vi·le̱g – Substantiv [das]“ ist ein für einen Einzelnen oder eine Gruppe geltendes, besonderes Recht, von dem andere ausgeschlossen bleiben.) Frauenförderung sei also per se ungerecht.

„Es läuft auch ohne Männer in der Wirtschaft nichts, werden diese auch privilegiert?“

Frauenförderung schränke die Wahlfreiheit der Frauen ein:

„Genoss*innen, habt Ihr schon mal davon gehört, dass es in Deutschland so etwas wie eine freie Berufswahl gibt, ihr also den Frauen nicht vorschreiben könnt, wie viel Prozent Anteil sie in den MINT-Berufen haben müssen?“

Wenn also Frauen gefördert werden sollen, dann brauchen wir aber auch mehr Förderung von Männern in Frauendomänen!

„Seltsam, in Berufen die gerne von Frauen ergriffen werden und dem dortigen Anteil zwischen 50 bis nahe 100% kommt keiner von euch auf die Idee eine Männerquote zu fordern.“

Und ganz ähnlich. Wenn mehr Frauen in Führungspositionen kommen sollen, dann braucht es auch eine Frauenquote für Müllmänner.

„290.000 Müllmänner aber nur 500 Frauen. Wo bleibt die Quote?“

Herabsetzung der Motivation von Frauen

In Diskussionen zu feministischen Themen schwingt immer wieder mit, Frauen seien halt nicht so ehrgeizig wie Männer. Frauen hätten keinen Machtanspruch /
Frauen wollen nicht führen und ordnen sich lieber unter.

Ein Blogger widmet diesem Thema sogar einen ganzen Beitrag und stellt dar, wie er heroisch unter schwersten Bedingungen einen Job ergattert hat.

„Ob eine junge Absolventin überhaupt den Mut und den Schneid hat, meine Variante der Jobsuche (direkt zu den Firmen gehen, anklopfen, nett sein, nicht abwimmeln lassen und mit einem Vertrag in der Tasche rausgehen) auszuprobieren, darf getrost bezweifelt werden. Frauen mögen zwar hochqualifiziert sein, aber Problemlöserinnen sind sie nicht. Frauen scheitern immer an ihren weiblichen Tugenden.“

Herabsetzung der Fähigkeiten von Frauen

Geht es um die Frage, warum Mädchen wohl gut ausgebildet sind aber dennoch selten technische Berufe ergreifen, wird häufig angeführt, dass Frauen es eben nicht so mit der Logik haben. Mädels interessierten sich eben nicht für MINT:

„Wenn Frauen sich nicht für Technik interessieren, nützen auch irgendwelche Staatlichen Sachen nichts!“

Wenn es Frauen bis jetzt noch nicht geschafft hätten, dann als Folge mangelnder Fähigkeiten. Der Wunsch nach Frauenförderung sei:

„Vor allem ein Eingeständnis der eigenen Inkompetenz und ein Schlag ins Gesicht aller Frauen, die es von allein geschafft haben!“.

Nicht selten kommen diese Vorwürfe aus den eigenen Reihen der Frauen – von Vertreterinnen, die es „geschafft haben“:

„Als Frau ist mir eine solche Kampagne peinlich. Eine solche Kampagne beleidigt alle Frauen, die ihre Qualifikation nicht auf „Ich bin Frau & dauerbenachteiligt“ reduzieren. habe einen gut bezahlten Job, weil ich darin gut bin & nicht, weil ich eine Frau bin.“

Vor allem die Quotenfrage scheint erfolgreiche Frauen zu beleidigen:

„Die Quote ist eine Beleidigung für alle Frauen, die schon führen – keiner will eine Quotenfrau sein“.

Die ewig Gestrigen

Eine Gruppe der Kritiker scheint sich gegen Veränderungen jeglicher Art zu wenden. Wenn es nach ihnen singe, sollte alles so bleiben, wie es ist:

„Wenn man der feministischen Theorie glaubt, ist es 5000 Jahre gut ohne Frauen in der Wirtschaft auf Führungsebene gelaufen.“

„Never change a running system“ würde ich sagen. 😉“

„Vielleicht läuft gerade wegen des geringem Anteils unsere Wirtschaft so gut. ;)“

Der Untergang des Abendlandes

Bei der Förderung von Frauen in der Wirtschaft fürchten manche, dass den Frauen damit etwas von ihrer devoten, kompetenten Weiblichkeit genommen wird:

„Jaja… Um das Bild von der arroganten aber unfähigen Quotentussi zu zementieren? Oder welches Signal geht davon aus?“

Noch schlimmer, das Ganze hätte gesellschaftliche Konsequenzen:

„Warum? Was soll daran gut sein, dass ihr die Familien kaputtmacht, nur für den schnöden Mammon? Schämt Euch!“

Sogar der Fortbestand der Menschheit wäre in Gefahr:

„Und wer kriegt dann die Kinder?“

Zahlen als Zement für den Status Quo

Wer Frauenförderung wirtschaftlich betrachten will, muss sich darauf gefasst machen, dass ihm auch Zahlen entgegen geworfen werden.

Es wird angeführt, wirtschaftlich gesehen ginge es auch ohne Frauen. Der bisherige Erfolg der Männer gibt ihnen anscheinend sogar Recht:

„Noch schlechter sieht es bei Patentanmeldung aus! Ohne weiße, alte Männer geht eben nix 👨🎓egal welche Quote sich #spd Küstenbarbie wünscht“

Die Wirtschaft selbst sei ein Beleg dafür, dass es Gleichberechtigung nicht braucht, dass Frauen sogar von geringerem Wert seien:

„Das ist doch Schmarrn. Wenn da auch nur ein Hauch dran wäre, wie würden gewinnmaximierende Unternehmen wohl handeln? Kommt ihr drauf?“

Der gesellschaftliche Nutzen von Bildung für Männer sei ungleich höher als der von Frauen

„Schauen wir mal auf die Zahlen. Ich hatte da ja neulich schon mal was erwähnt, wonach Männer- und Frauenausbildung die Gesellschaft ungefähr gleich viel kosten, aber der gesellschaftliche Nutzen bei Männern drastisch höher liegt.“

Studien belegen zwar, dass der Erfolg von Firmen im Zusammenhang mit Frauen in Führungspositionen in diesen Firmen steht. Jedoch keine Studie ohne Gegenstudie:

„Firmen, die von Frauen geführt werden, laufen im Schnitt schlechter.“

Diskreditierung des Absenders

Nicht zuletzt wird die Frage gestellt, mit welchem Recht sich das Bundeswirtschaftsministerium mit einem feministischen Thema befasst:

„Ist es nicht eher die Aufgabe des Familienministeriums Männer auszuschließen?“

Dies ist ein buntes, aber sicher nicht abschließendes Spektrum an Argumenten gegen die Förderung von Frauen bis zur Gleichberechtigung.

Welche Argumente fehlen aus eurer Sicht noch in dieser Sammlung?


3 KOMMENTARE

  1. Way cool! Some extremely valid points! I appreciate you writing this post and also the rest of the site is also really good. Martynne Carroll Chud

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